„ICH SEHE WAS, WAS DU NICHT SIEHST …“ – Cartoons von Erich Rauschenbach

AXEL FROHN: SO SEHE ICH E. R. …

Dieser Mann ist gefährlich. Alles, was sich bei uns zu Hause zwischen den Laken abspielt, oder auch nicht, weiß er genau – zeichnet es gnadenlos auf, veröffentlicht es schamlos. Obwohl er gar nicht durchs Schlüsselloch gelinst hat. Nicht selten wird er des- halb von Freunden gefragt: Woher weißt’n das alles? Gute Frage.

Seit vierzig Jahren beschäftigt sich Erich Rauschenbach mit den sogenannten zwischenmenschlichen Beziehungen. Mit Machos, Emanzen, mit Verklemmten, mit Enthemmten, mit Mackern und ihren Macken. Und was er dabei so alles entdeckt hat, ist inzwischen in 60 Büchern zu besichtigen. Millionen Exemplare gingen weg wie warme Schrippen, allein sein Very-Best-Seller „Vollkommen fix und vierzig“ fand eine Million lachende Käufer. Zum Brüllen frech, komisch und meisterhaft, was er mit schnellem Strich zu Papier bringt. Lediglich 5 Minuten, und wenn’s ein bisschen aufwendiger sein soll, auch mal zwei Tage, braucht der begnadete Cartoonist, um ein witziges Blatt zu vollenden.

Erstaunlich – die Modestile haben sich im Laufe der Zeit seines unermüdlichen Schaffens verändert, die Frisuren ebenso, konstant geblieben sind die Konstanten zwischen den Geschlechtern. Wer wollte Erich Rauschenbach schon ernsthaft widersprechen: Die erogenen Zonen bei Mann und Frau finden wir heute wie damals an denselben Stellen – bei den Herrn der Schöpfung fokussiert auf einen Punkt, bei den angeblichen besseren Hälften ziemlich diffus verteilt.
Ein Blatt der Aufklärung, ganz ohne Worte.

Nun hat sich Rauschenbach nicht nur Ruhm als zeichnender Oswald Kolle erworben, auch zu tagespolitischen Phänomenen bezog er Stellung. 22 Jahre steuerte er für die IG-Metall-Monatsschrift politische Blätter unter dem Serien-Titel „Kollege Karl“ bei. Und auch da ist rückblickend festzustellen: In der Arbeitswelt hat sich zwar vieles verändert, geblieben sind die Differenzen zwischen den „Sozialpartnern“.

Schade, dass Erich Rauschenbach die Zeichnerei zum Bedauern seiner Fans weitgehend eingestellt hat. Das heißt aber nicht, dass er die Hände in den Schoß legt: Was niemand weiß – er arbeitet gegenwärtig an seinem ersten Buch ganz ohne Bilder, und da dürfen wir – mindestens so wie er selbst – gespannt sein, was dabei rauskommt. Auf jeden Fall Blätter, die die Welt bedeuten.
Und was nur wenige ahnen: Erich Rauschenbach ist gebürtiger Sachse, was hinlänglich die Erkenntnis bestätigt – nicht alles was aus dem Osten kam, war schlecht. Ex oriente luxus-art.

UND SO SEHEN WIR DAS …

Aller guten Dinge sind drei, heißt es. Und so gesehen sind wir auf einem guten Weg, denn nach Barbara Henniger („ALLES MUSS RAUS!“) und Axel Frohn („MICH WUNDERT, DASS ICH FRÖHLICH BIN“) folgt mit Erich Rauschenbach („ICH SEHE WAS, WAS DU NICHT SIEHST …“) die dritte Cartoon-Ausstellung in der Rathaus Galerie Hoppegarten. Das nennt man dann schon KONTINUITÄT und beweist ebenso nachhaltig, dass die Satire ins Rathaus gehört, wie es Barbara Henniger bei der Premiere im November 2013 herausfordernd und ermutigend zugleich betonte.

Wer übrigens bei uns ausstellen darf, bestimmen stets die Vorgänger. Auf diese ganz persönliche Wahl nehmen wir keinerlei Einfluss. Aber natürlich sind wir stets gespannt, wer denn der nächste Gast in unserer „Bürger“-Galerie sein wird.

Im kommenden Jahr allerdings wird es eine Ausnahme geben, denn da ist der BRANDENBURG-TAG angesagt. Aus diesem Anlass soll es einen bundesweiten Cartoon-Wettbewerb in Kooperation mit dem Satire-Magazin „EULENSPIEGEL“ zum Thema „Wo laufen sie denn?“ geben. Dessen Einsendungen werden dann ab 3. September 2016 präsentiert. Lassen wir uns also überraschen!

Dr. Gabriele und Raymund Stolze
Hoppegarten, im Juli 2015