“Alles ganz normal!” – Politische Karikaturen von KLAUS STUTTMANN

DER BESUCHERPREISTRÄGER …

„Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich übermorgen nach dem Bild von Stuttmann dazu in der Zeitung suchen.“
Axel Hacke,
deutscher Journalist und Schriftsteller

Dass Klaus Stuttmann am bundesweiten Cartoon-Wettbewerb der Gemeinde Hoppegarten zum Brandenburg-Tag 2016 überhaupt teilgenommen hat, verdankt er unserem hartnäckigen Werben. Als Leser eines Tagesspiegel-Wochenendabos wurden wir in der Ausgabe vom 12. Juni 2016 auf seine Karikatur „Hans-Guck-in-die-Luft“ frei nach Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ aufmerksam. Da das Motto „Wo laufen sie denn?“ nicht nur auf Pferde reduziert war, nahmen wir zu ihm spontan telefonisch Kontakt auf mit der Bitte, sich mit dieser Arbeit doch zu beteiligen. Es reichte für ihn dann zwar nach der Juryentscheidung nicht aufs Siegertreppchen, aber eine deutliche Mehrheit der insgesamt 164 abgegebenen gültigen Stimmen kürte ihn jedoch mit dem Besucherpreis, der gleichbedeutend mit einer Ausstellung in der Rathaus Galerie Hoppegarten war.

Vom Bürgermeister der Gemeinde Karsten Knobbe, der unbeirrbar daran festhält, dass Satire ins Rathaus gehört, erhielt er am 7. Dezember die offizielle Nachricht vom Gewinn des Besucherpreises. Und Stuttmann, der zu den besten Karikaturisten Deutschlands gehört, hat die originelle Auszeichnung angenommen. „Ich denke, das mit der Ausstellung wird auf jeden Fall klappen“, so seine Antwort.

Vier Tage vor der Vergabe des Besucherpreise in Hoppegarten wurde der Berliner Künstler übrigens am 13. November in Bremer Theater mit dem Deutschen Karikaturpreis 2016 geehrt. Wir lagen also absolut richtig, ihn für unser Projekt gewonnen zu haben.

Stuttmanns Zeichnungen – egal zu welchen Thema – bestechen durch klare Aussagen und bleiben einem zumeist im Gedächtnis, weil sie dem Betrachter nicht nur die abgebildete Wirklichkeit zeigen. „Vor allem schärfen sie seinen kritischen Blick und wirken befreiend durch ihre subtilen komischen Effekte. Sie sorgen für Lachen in den Hütten und für Ärger in den Palästen. Was will Karikatur mehr?“, so heißt es im Werbetext zu seine Premieren-Jahresband „Klare Ansage“ von 2009.

Daran hat sich bei ihm im Laufe der Zeit nichts geändert. Nach wie vor sind seine Karikaturen „ein visueller Anker im bewegten Fluss der Zeit“.

Einseitigkeit lehnt er zurecht entschieden ab. Und was seinen persönlicher Anspruch angeht, so betonte Klaus Stuttmann in einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: „Wir Karikaturisten müssen machtkritisch sein, das ist unsere Haltung – egal, wer gerade an der Macht ist. Ich werde immer dann besonders misstrauisch, wenn mir etwas als alternativlos dargestellt wird.“

Apropos alternativlos: Für Angela Merkel braucht er inzwischen nur noch eine halbe Minute, und er zeichnet sie jedes Mal neu!

„Die politische Karikatur ist nicht das Schwerpunktthema meiner künstlerischen Arbeit, sondern sie  i s t  meine  e i g e n t l i c h e Arbeit. Ob künstlerisch oder nicht, ist mir zwar nicht ganz schnurzegal, aber zweitrangig. Ich verstehe mich also mehr als zeichnender Journalist und weniger als Künstler. Das hat seine Ursachen in meiner Politisierung als Nach-68er-Student in Westberlin. Eigentlich bin ich ausgebildeter Kunsthistoriker mit Magisterabschluss, aber danach drängte es mich in die Politik, aber nicht als Politiker, sondern als Zeichner. So kam das.“

Wer übrigens von Klaus Stuttmann mehr als die in der Rathaus Galerie Hoppegarten gezeigte Auswahl von rund 40 Karikaturen sehen möchte, der kann das auf seiner Webseite www.stuttmann-karikaturen.de. Es lohnt sich garantiert!

Dr. Gabriele und Raymund Stolze Hoppegarten, im August 2017